Die Sonne wegcremen?

Wenn man zu Beginn der Som­mer­fe­ri­en die Zei­tung auf­schlägt, fin­den sich dort, jedes Jahr aufs Neue, gute Rat­schlä­ge zum Schutz vor der Son­ne, ver­bun­den mit der War­nung vor Haut­al­te­rung und, schlim­mer, schwar­zem Haut­krebs („mali­gnes Mela­nom“).

Ohne zu wis­sen, dass es durch­aus umstrit­ten ist, ob das mali­gne Mela­nom durch zu viel Son­nen­ein­strah­lung ent­steht, haben wir die stän­di­gen War­nun­gen soweit ver­in­ner­licht, dass wir reflex­haft nach Son­nen­creme mit mög­lichst hohem Licht­schutz­fak­tor, also 50 oder gar 100 (auch 100+ oder 110) grei­fen und cre­men, cre­men, cre­men …

Sonnencreme, auf den Inhalt kommt es an

Tat­säch­lich gibt es Son­nen­stän­de und Welt­ge­gen­den mit hoher UV-Belastung, die eine gewis­se Vor­sicht ver­lan­gen. Das sind aber sai­so­nal und geo­gra­phisch eng begrenz­te Aus­nah­me­si­tua­tio­nen: Den eige­nen Kör­per an einem aus­tra­li­schen Strand im Hoch­som­mer (Dezember/Januar) 12 Stun­den zu gril­len, ist – im Übri­gen auch mit Son­nen­creme und Licht­schutz­fak­tor 100 – kei­ne gute Idee. Und wenn Sie regel­mä­ßig im Hoch­ge­bir­ge wan­dern, soll­ten Sie sich natür­lich schüt­zen. (Wobei „natür­lich“ hier durch­aus in des Wor­tes dop­pel­ter Bedeu­tung gemeint ist). Son­nen­brand ist für die Haut und den gesam­ten Kör­per eine Belas­tung. Unter­su­chun­gen von Son­nen­creme stel­len jedoch meist nur die Fra­ge, inwie­weit neben UVB-Strahlung auch UVA-Strahlen (das sind die, die deut­lich tie­fer drin­gen) gefil­tert wer­den. Dabei sind man­che Stof­fe in Son­nen­creme min­des­tens so pro­ble­ma­tisch, wie zu viel Son­ne.

Was sel­ten erwähnt wird, aber im Zusam­men­hang mit Son­nen­creme wich­tig ist: auch die meis­ten Son­nen­cremes wer­den auf der Basis von Mine­ral­ölen her­ge­stellt. Vie­le ent­hal­ten über­flüs­si­ge Duft­stof­fe. Man­che ent­hal­ten Octyl­sa­li­cyla­te oder Titan­di­oxid (das sind die Son­nen­cremes, die auf der Haut weiß blei­ben, sie sind oft mit einem hohen Licht­schutz­fak­tor ver­bun­den, der Stoff wird auch als Weiß­pig­ment in Zahn­pas­tas ver­wen­det).

Inzwi­schen wer­den Titan- und Zink­oxid auch als Nano-Partikel ein­ge­setzt. Sie wir­ken anders als die gro­ßen Par­ti­kel – wäh­rend letz­te­re die Strah­lung reflek­tie­ren, absor­bie­ren Nano-Partikel sie und erzeu­gen dabei in einem pho­to­ka­ta­ly­ti­schen Pro­zess freie Radi­ka­le. Auch wenn es oft bestrit­ten wird: Stu­di­en zei­gen immer wie­der, dass die­se Stof­fe in die Haut und zum Teil wei­ter in den Kör­per ein­drin­gen. Natur­kos­me­tik ent­hält meist weni­ger pro­ble­ma­ti­sche Bestand­tei­le, ist aber auch nicht frei davon. Am Ende muss man die Fra­ge stel­len, was mehr scha­det: Son­nen­strahl oder Son­nen­creme.

Sonnenmangel, das größere Problem

Das ein­mal vor­aus­ge­schickt, müs­sen wir über das eigent­li­che Pro­blem spre­chen: Son­nen­man­gel. Wäh­rend die Hel­lig­keit – vor allem bei Nacht – durch Kunst­licht jedes Jahr um 2% wächst, set­zen wir uns der Son­ne immer weni­ger aus, oft wegen der erwähn­ten War­nun­gen. Vor allem aber sind es unse­re Arbeits­be­din­gun­gen, kli­ma­ti­sier­te, nach außen abge­schirm­te und von Kunst­licht beherrsch­te Büros. Die meis­ten Leser dürf­ten oben­drein um den 50sten Brei­ten­grad oder sogar nörd­lich davon woh­nen, wo die Son­ne min­des­tens von Okto­ber bis März nicht hoch genug steht, um Vit­amin D zu erzeu­gen.

Eine Faust­re­gel: Wenn Ihr Schat­ten län­ger ist, als Sie selbst, wird durch Son­nen­licht prak­tisch kein Vit­amin D erzeugt.

Wer dar­über hin­aus im Som­mer jeden Auf­ent­halt in der Son­ne mit Son­nen­creme beglei­tet, wird einen, den viel­leicht wesent­li­chen, Nut­zen von Son­nen­licht nicht bekom­men (schon ein Licht­schutz­fak­tor 10 genügt, um die Bil­dung von Vit­amin D durch Son­nen­ein­strah­lung prak­tisch zum Erlie­gen zu brin­gen). In der Haut fin­det sich eine Vor­stu­fe von Vit­amin D (7‑Dehydrocholesterol) das durch UV-B-Strahlung in akti­ves Vit­amin D3 umge­wan­delt wird. Ja, das ist die­sel­be UV-B-Strahlung, die, setzt man sich ihr zulan­ge aus, Son­nen­brand ver­ur­sacht. Es kommt also dar­auf an, davon weder zu viel noch zu wenig zu bekom­men. Neue­re wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chun­gen las­sen ver­mu­ten, dass ein nied­ri­ger Vitamin-D-Spiegel neben vie­len ande­ren Nach­tei­len auch einen schlech­te­ren Eigen­schutz der Haut gegen UV-Strahlung und Son­nen­brand bedingt. Stark ver­ein­facht gesagt: Über­trie­be­nes Mei­den der Son­ne könn­te zu grö­ße­rer Emp­find­lich­keit gegen Son­nen­strah­len füh­ren.

Was sagt die PHD dazu?

Wie schon häu­fi­ger betont, stellt die PHD zwar die Ernäh­rung in den Mit­tel­punkt, sie geht jedoch auch deut­lich wei­ter. Unter der Über­schrift „Ver­bes­se­rung der zir­ka­dia­nen Rhyth­mik“ (Kapi­tel 42, S. 503ff.) setzt sie sich mit dem Licht aus­ein­an­der, man kann dort über unter­schied­li­che Licht­quel­len und Licht­nut­zen (nicht nur für die Bil­dung von Vit­amin D), aber auch ‑scha­den nach­le­sen. Zum Son­nen­licht heißt es unter ande­rem „Der Mor­gen ist die sichers­te Zeit für die Son­nen­licht­ex­po­si­ti­on“ (S. 506). Und, bezo­gen auf den deutsch­spra­chi­gen Raum: „Wer nörd­lich der Alpen lebt, soll­te so viel Mit­tags­son­ne wie mög­lich tan­ken und braucht oben­drein wäh­rend der meis­ten Zeit des Jah­res Vitamin-D-Supplemente, um den Man­gel an UV-Licht aus­zu­glei­chen.“ (S. 507)

Retro“ ist angesagt

Retro ist nicht nur in Mode, Bau­sti­len oder beim Äuße­ren von Elek­tro­ge­rä­ten schick, auch bei Son­nen­schutz sind die Metho­den unse­rer Vor­fah­ren, ver­bun­den mit den neus­ten Erkennt­nis­sen ange­sagt. Kei­ne Angst vor der Son­ne, son­dern bewuss­ter Umgang mit ihr. Set­zen Sie im Hoch­som­mer Ihren Kör­per früh am Tag der Son­ne aus- und zwar gera­de so lang, das die Haut sich noch nicht rötet, das mag je nach Haut­typ und Bräu­nungs­grad beim einen 10 Minu­ten sein, beim ande­ren eine hal­be Stun­de – und bede­cken Sie die Haut mit leich­ter Klei­dung und den Kopf mit breit­krem­pi­gen Hüten (ein ech­ter Pana­ma z.B. soll­te einen Licht­schutz­fak­tor von 80 bie­ten…)


Schreibe einen Kommentar

Newsletter abonnieren

Regelmäßig ein neues Rezept oder Wissenswertes zur PHD lesen

Registrieren Sie sich hier für unseren kostenlosen Newsletter

Nein Danke

Newsletter abonnieren

Regelmäßig ein neues Rezept oder Wissenswertes zur PHD lesen

Registrieren Sie sich hier für unseren kostenlosen Newsletter





Hinweise zum Datenschutz, Widerruf, Protokollierung sowie der von der Einwilligung umfassten Erfolgsmessung, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.


Nein Danke.