Erbverzicht – oder warum Genetik kein Schicksal ist

Wer kennt das nicht: Schon die Eltern hat­ten Dia­be­tes, wie soll ich da der Krank­heit ent­kom­men? „It runs in the fami­ly“ sagen die Ame­ri­ka­ner und nicken ver­ständ­nis­sin­nig mit den Köp­fen. So gern wir sonst in die Zukunft schau­en könn­ten, ängs­tigt uns die Vor­stel­lung, die Gebre­chen unse­rer Eltern und Groß­el­tern könn­te unse­re eige­ne Zukunft sein. Für eini­ge gibt die­sel­be Logik auch Hoff­nung: Wie wird man sehr alt? Indem man vie­le hoch­be­tag­te Vor­fah­ren hat.

Kei­ne Fra­ge, die­se Zusam­men­hän­ge las­sen sich durch­aus beob­ach­ten und auch sta­tis­tisch bele­gen. Was sich jedoch kei­nes­wegs bele­gen lässt, ist die Vor­stel­lung, dass es sich hier um ein unaus­weich­li­ches Schick­sal han­deln muss. Zusam­men­hän­ge sagen noch nichts über Ursa­chen. Wer sagt, dass es die Gene sind und nicht zum Bei­spiel die Tat­sa­che, dass wir min­des­tens die ers­ten Jah­re oder Jahr­zehn­te eng mit unse­ren Gen‐Erblassern zusam­men­le­ben, das­sel­be Essen essen, die­sel­be Luft atmen, unter ihrem Ein­fluss ste­hen.

Gen‐auer hingeschaut

Wir bekom­men je einen hal­ben Gen‐Satz von unse­ren Eltern. An die­ser Stel­le wer­den die Kar­ten im Wort­sin­ne neu gemischt: Es ent­steht eine ein­zig­ar­ti­ge neue Kom­bi­na­ti­on. „Ganz die Mut­ter“ oder „ganz der Vater“ sind mehr oder weni­ger freund­li­che Flos­keln, kei­ner ist eine Kopie sei­ner Eltern. Was wir inzwi­schen auch wis­sen: Die Gene, die sie uns wei­ter­rei­chen, sind zwar grund­sätz­lich die glei­chen, die sie schon von ihren Eltern haben, aber kei­nes­wegs die­sel­ben: Genau­so, wie kei­ner ein ererb­tes Haus unver­än­dert an die nächs­te Genera­ti­on wei­ter­gibt, geben Men­schen Gene im sel­ben Zustand wei­ter, wie sie sie bekom­men haben. Die­se Gene kön­nen inzwi­schen ange­schal­tet sein, abge­schal­tet sein (was nicht schlecht sein muss) oder auch beschä­digt (was in der Regel nicht so gut ist).

Das Prin­zip dahin­ter heißt „Epi­ge­ne­tik“, „Epi“ kommt aus dem Grie­chi­schen und meint „dar­auf“ oder „dar­über“ oder „hin­zu“: Epi­ge­ne­tik ist also salopp gesagt, alles, was der Gene­tik auf­ge­sat­telt wird. Und wir und unse­re Umwelt sat­teln unse­rer Gene­tik in jeder Minu­te etwas auf, mal kommt sie bes­ser damit zurecht, mal schlech­ter. Inzwi­schen weiß man, dass die Umwelt­ein­flüs­se und ihre Wir­kun­gen auf unse­re Gene über min­des­tens 14 Genera­tio­nen zurück ver­folg­bar sind.

Genetik ist langsam, Epigenetik schnell

Die Jami­nets rech­nen im Buch vor, dass die Gene­tik sich sehr lang­sam ver­än­dert; wie lang­sam, wird gleich im ers­ten Kapi­tel beschrie­ben, wenn es um die evo­lu­tio­nä­re Per­spek­ti­ve geht (S. 33ff). Sie wol­len sich mathe­ma­tisch nach­voll­zieh­bar erklä­ren las­sen, war­um sich die gene­ti­sche Ent­wick­lung gegen­über der mensch­li­chen Früh­zeit zwar beschleu­nigt hat, es aber immer noch etwa 200.000 Jah­re braucht, bis sich eine vor­teil­haf­te Muta­ti­on durch­setzt (also eine Anpas­sung an eine ver­än­der­te Umwelt)? Dann lege ich Ihnen die Sei­ten 35/36 ans Herz.

Inso­fern ist die Gene­tik unse­rer frü­hen Vor­fah­ren durch­aus unser Schick­sal, ein Erbe, das wir nicht aus­schla­gen kön­nen. Dar­um emp­fiehlt die PHD auch die Ernäh­rung ange­lehnt an die Grund­sät­ze des Paläo­li­thi­kums.

Genetik, also doch unausweichlich?

Jein, die mensch­li­che Gene­tik als sol­che dürf­te kaum gezielt zu umge­hen sein (auch wenn eini­ge es inzwi­schen mit Ver­fah­ren wie CRISPR/Cas ange­hen, Ende offen). Wer noch nicht über eine eige­ne Gen­sche­re ver­fügt, oder sol­chen Ver­fah­ren eher skep­tisch gegen­über­steht, kann sei­ne Gene­tik opti­mal nut­zen. Denn unse­re Gene­tik als sol­che, das hat die For­schung der letz­ten zwan­zig Jah­re gezeigt, ist viel zu wenig kom­plex, als dass sie ohne äuße­re Ein­flüs­se die Mehr­zahl vor allem der chro­ni­schen Krank­hei­ten, unse­re Lebens­er­war­tung, unser Risi­ko, dick zu wer­den etc. erklä­ren könn­te.

Genetik spannt den Hahn, Epigenetik drückt ab

Unse­re Gene­tik ent­schei­det dar­über, wo bei uns das jeweils schwächs­te Glied in der Ket­te sitzt, Epi­ge­ne­tik ent­schei­det, ob die Ket­te an die­ser Stel­le tat­säch­lich bricht. Anders for­mu­liert: Es kann sein, dass Papa und Mama zum Bei­spiel, weil man ihnen ein­ge­re­det hat, Fett sei unge­sund und Zucker gesund, ihre Gene nicht opti­mal nut­zen konn­ten. Sie haben uns so viel­leicht ein ziem­lich ver­wohn­tes altes Haus ver­erbt, oder, weil man unse­rer wer­den­den Mut­ter syn­the­ti­sche Fol­säu­re gege­ben hat, sind in unse­rem Haus ein paar wich­ti­ge Lei­tun­gen schon früh durch Methy­lie­rung still­ge­legt wor­den (genaue­res zum Gen‐Silencing auf Sei­te 437 der PHD).

Irgend­wann tra­gen jedoch Mama und Papa nicht mehr (allein) Schuld. Oft haben wir, um im Bild zu blei­ben, das Haus selbst schon epi­ge­ne­tisch ziem­lich zuge­rich­tet. Dass es in den Zim­mern zieht und durchs Dach reg­net, hin­dert uns jedoch kei­nes­wegs dar­an, zu reno­vie­ren, im Gegen­teil. Wir kön­nen und soll­ten uns mit Mes­ser und Gabel, Schlaf und Bewe­gung an unse­ren Genen zu schaf­fen machen: durch eine Ernäh­rung und gene­rell ein Leben nach Per­fect Health Diet die Selbst­hei­lungs­kräf­te des Kör­pers anzu­sto­ßen und das Opti­mum aus unse­ren Genen her­aus­zu­ho­len (und sie in die­sem Zustand auch an unse­re Kin­der wei­ter­zu­ge­ben).


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