Haben Sie auch Ihr Fett weg?

Die PHD emp­fiehlt die Ver­wen­dung von Kokos­öl (S. 212f.). Die Jami­nets erklä­ren dort auch war­um: alle Stu­di­en zei­gen, dass Kokos­fett zwar den LDL-Spiegel anhe­ben kann, der auch in Deutsch­land immer noch unter der Über­schrift „schlech­tes“ Cho­le­ste­rin geführt wird. Muss man zunächst wis­sen, dass LDL kei­nes­wegs gut oder schlecht ist, son­dern es dar­auf ankommt, ob es in klei­ner, dich­ter Form vor­liegt (pro­ble­ma­tisch) oder in gro­ßer elas­ti­scher (unpro­ble­ma­tisch). Kokos­fett zeigt in nahe­zu jeder neu­en Stu­die, dass es hilft, die Herz­ge­sund­heit zu ver­bes­sern, Gewichts- im Sin­ne von Fett­ver­lust zu unter­stüt­zen und das Ver­hält­nis von Tri­gly­ce­ri­den zu HDL zu ver­bes­sern, das ein Indi­ka­tor für dia­be­ti­sche Stoff­wech­sel­la­gen ist (ist es grö­ßer 2, soll­te man sich dies­be­züg­lich wei­ter unter­su­chen las­sen).

Wie kann es dann sein, dass gera­de erst Ende 2018 wie­der eine deut­sche Pro­fes­so­rin dra­ma­tisch in einem auch auf You­Tube ver­öf­fent­lich­ten Vor­trag behaup­ten konn­te, Kokos­öl sei „rei­nes Gift“ wegen des hohen Gehal­tes an gesät­tig­ten Fett­säu­ren?

Kokosfett ist mehrheitlich gesättigtes Fett

An die­ser Aus­sa­ge ist min­des­tens eines rich­tig: Kokos­fett hat den höchs­ten Anteil gesät­tig­ter Fett­säu­ren unter allen gän­gi­gen Fet­ten, über 80%. Der Irr­tum liegt jedoch dar­in, dass gesät­tig­te Fet­te per se kei­nes­wegs unge­sund, geschwei­ge denn „gif­tig“ sind. Man muss hier sehr sorg­fäl­tig unter­schei­den zwi­schen kurz‑, mittel-und lang­ket­ti­gen gesät­tig­ten Fet­ten. Ähn­lich wie die mehr­fach unge­sät­tig­ten Fet­te sind auch die gesät­tig­ten Fet­te nicht alle gleich zu sehen. Über 60 % des Gesamt­fetts in Kokos­öl sind mit­tel­ket­ti­ge Tri­gly­ce­ri­de (dar­un­ter ver­steht man Fett­säu­ren mit 6–12 C‑Atomen), fast die Hälf­te des Kokos­öls ist Laurin­säu­re (zwölf Koh­len­stoff­ato­me).

Mittelkettige Triglyceride

Mit­tel­ket­ti­ge Tri­gly­ce­ri­de brau­chen kei­ne Gal­len­sal­ze für die Ver­dau­ung (kön­nen also auch gut von Men­schen ohne Gal­len­bla­se ver­daut wer­den), sie wer­den im Dünn­darm absor­biert, gelan­gen schnell in den Blut­kreis­lauf und wer­den von der Leber in Keto­ne umge­wan­delt, die wie­der­um die bevor­zug­te Kraft­stoff­quel­le sowohl des Hirns als auch des Her­zen sind. Nach­teil: die Keton-Erzeugung funk­tio­niert in der Regel nur, wenn sowohl der Blut­zu­cker­spie­gel als auch der Insu­lin­spie­gel auf einem nor­ma­len nüch­ter­nen Niveau lie­gen.

Das soll auch so sein, Zucker und Keto­ne sind alter­na­ti­ve Brenn­stof­fe, ein gesun­der Mensch, der meta­bo­lisch fle­xi­bel ist, kann nach Ver­brauch von kör­per­ei­ge­nen Koh­len­hy­drat­vor­rä­ten pro­blem­los auf Ver­bren­nung der kör­per­ei­ge­nen Fet­te umschal­ten.

MCT-Öl

Im Rah­men einer keto­ge­nen Ernäh­rung (die die PHD aller­dings nur als the­ra­peu­ti­sche Maß­nah­me emp­fiehlt, oder bei orga­nisch beding­ten Stoffwechsel- oder neu­ro­lo­gi­schen Erkran­kun­gen) oder um die Wie­der­her­stel­lung der meta­bo­li­schen Fle­xi­bi­li­tät zu begüns­ti­gen (in der Regel durch Abneh­men), kann man auch auf das best­ver­dau­li­che Aus­zugs­öl aus Kokos­fett zurück­grei­fen, mit­tel­ket­ti­ge Tri­gly­ce­ri­de (eng­li­sche Abkür­zung MCT) idea­ler­wei­se als rei­ne Capryl­säu­re (rei­nes C‑8 MCT). Kokos­fett hat zwar, im Ver­gleich zu ande­ren Fet­ten, einen hohen Anteil an C‑8, da die­ser den­noch ca. 7 % nicht über­schrei­tet, ist hoch­wer­ti­ges diä­te­ti­sches MCT-Öl ver­hält­nis­mä­ßig teu­er. Man braucht es jedoch nur in gerin­gen Men­gen.

Mit­tel­ket­ti­ge gesät­tig­te Fet­te haben gezeigt, dass sie in der Lage sind, Ent­zün­dung zu redu­zie­ren (es sind also nicht nur die mehr­fach unge­sät­tig­ten Fet­te), die Pro­duk­ti­on des hist­amin­ab­bau­en­den Enzyms Dia­min­oxi­da­se anre­gen (also die Hist­amin­to­le­ranz und die Wider­stands­fä­hig­keit gegen All­er­gien erhö­hen), die Schleim­pro­duk­ti­on im Darm erhö­hen und auch sonst eine gan­ze Rei­he an darm­hei­len­den Akti­vi­tä­ten aus­lö­sen.

Mehr mittelkettige gesättigte Fette – höherer Kalorienverbrauch

Damit nicht genug, mit­tel­ket­ti­ge Tri­gly­ce­ri­de kön­nen hel­fen, über die Ther­mo­ge­ne­se den Grund­um­satz des Kör­pers zu erhö­hen und gleich­zei­tig das Hun­ger­hor­mon Ghre­lin in Schach zu hal­ten. Ein­fa­cher aus­ge­drückt: der Kör­per wird etwas wär­mer, ver­braucht dabei mehr Kalo­rien, gleich­zei­tig sorgt MCT dafür, dass der Hun­ger nicht so schnell zurück­kehrt.

Wenn das so ist, soll­te man dann nicht das Kokos­öl gleich ste­hen las­sen und direkt zum MCT Öl gehen? Ein­fa­che Ant­wort: kommt drauf an.

Das Lob des Kokosfetts

Für den Darm, das Abneh­men und die Keton­bil­dung ist rei­nes MCT sicher bes­ser.

Kokos­öl oder ‑fett (der Unter­schied liegt in der Tem­pe­ra­tur, unter 25 Grad wird das Öl fest) ent­hält ande­rer­seits rela­tiv gro­ße Men­gen an Vit­amin E und Poly­phe­n­o­len, in Kokos­but­ter fin­den sich jede Men­ge Vit­ami­ne, Mine­ra­li­en, und Spu­ren­ele­men­te sowie eine gro­ße Men­ge an Inul­in­fa­sern, gut fer­men­tier­ba­ren lös­li­chen Fasern), die unse­re Darm­bak­te­ri­en brau­chen. Das Kokos­fett oben­drein die gly­kämische Last von Reis senkt, kann man hier nach­le­sen.

Man könn­te sei­ten­wei­se wei­te­re Vor­tei­le auf­zäh­len, wir belas­sen es hier bei dem Hin­weis, dass knapp 7 % des Kokos­öls aus Ölsäu­re besteht, ein ein­fach unge­sät­tig­tes Fett, das dem weit­ge­hend unum­strit­te­nen Oli­ven­öl den berech­tig­ten Ruf ein­ge­bracht hat, gut für die Herz­ge­sund­heit sein…

Bleibt noch der Geschmack: hier schei­den sich die Geis­ter, die einen fin­den ihn wun­der­voll, die ande­ren absto­ßend. Da sich über Geschmack, anders als über Wis­sen­schaft, bekannt­lich nicht strei­ten lässt, hier der Hin­weis für die Küche: „nati­ves“ Kokos­fett kommt mit Geschmack, „mil­des“ weit­ge­hend ohne.


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