Intermittierendes Fasten – die Autophagie als Jungbrunnen

Vor eini­ger Zeit konn­ten Sie an die­ser Stel­le schon ein­mal etwas zum Inter­vall­fas­ten – oder auch inter­mit­tie­ren­den Fas­ten lesen. Das The­ma wird der­zeit so inten­siv dis­ku­tiert, dass wir einen wesent­li­chen Aspekt, der in den Dis­kus­sio­nen oft viel zu kurz kommt, noch ein­mal aus­führ­li­cher the­ma­ti­sie­ren möch­ten: die „Selbst­kan­ni­ba­li­sie­rung“ aus gesund­heit­li­chen Gründen.

Man isst sei­nes­glei­chen nicht. Das gehört sich ein­fach nicht. Und den­noch spre­chen die Jami­nets davon, dass wir uns hin und wie­der, oder auch jeden Tag ein biss­chen selbst ver­zeh­ren (soll­ten). Nicht von Nägel­kau­en ist die Rede, son­dern von „Auto­pha­gie“, das ist der Fach­aus­druck. Wir sind Tag für Tag Patho­ge­nen aus­ge­setzt, Fremd­kör­pern, die sich über­all im Kör­per und bis in die Zel­len hin­ein fest­set­zen und sie schä­di­gen kön­nen. Außer­dem ver­än­dert sich unser Kör­per stän­dig, baut an einer Stel­le auf, an einer ande­ren ab. Man­che Ände­run­gen sehen wir, die weit­aus meis­ten lau­fen, von uns unbe­ob­ach­tet, im Hin­ter­grund ab.

Autophagie
Auto­pha­gie: (1) Nähr­stoff­man­gel sen­det einen Impuls an die Zel­le, der die Aut­pha­gie aus­löst. (2) Pro­te­ine und Get­te bil­den eine Dop­pel­mem­bran, die beschä­dig­te Zell­struk­tu­ren umschließt. (3) Ein Auto­pha­gom ent­steht bei kom­plett geschlos­se­ner Dop­pel­mem­bran. (4) Ein Lys­o­o­som dockt an das Auto­pha­gom an, die äuße­ren Mem­bra­nen bei­der Sys­te­me ver­bin­den sich und die Ver­dau­ungs­en­zy­me des Lys­o­soms gehen in das Auto­pha­gom über. (5) Die Enzyp­me zer­le­gen die Abfäl­le und die so gewon­ne­nen che­mi­schen Grund­bau­stei­ne wer­den wie­der in das Cyto­plas­ma abge­ge­ben und neu verwertet.

Zu letz­te­ren gehört die stän­di­ge Wie­der­auf­be­rei­tung von Pro­te­inen, die Zweit‑, Dritt- oder Viert­ver­wer­tung von Fett­säu­ren, Zuckern, Ami­no­säu­ren, ja, sogar die Umwand­lung von Bak­te­ri­en in kör­per­ei­ge­ne Struk­tu­ren und die Aus­schei­dung von nicht mehr ver­wert­ba­ren Stof­fen. Alle die­se inne­ren Pro­zes­se lau­fen umso inten­si­ver und effi­zi­en­ter, wenn wir nicht gleich­zei­tig etwas von außen zuführen.

Zwar brau­chen wir immer wie­der exter­ne Brenn- und Bau­stof­fe, wir haben aber nicht genü­gend Platz und Res­sour­cen, um Neu­es und Recy­cling gleich­zei­tig zu bewäl­ti­gen. Man stel­le sich eine Fabrik vor: Es kom­men meh­re­re Last­wa­gen­la­dun­gen neu­es Mate­ri­al. Die gan­ze Beleg­schaft ist damit beschäf­tigt, all das Mate­ri­al zu ent­la­den, ver­ar­bei­tungs­fer­tig zu machen und in die Pro­duk­ti­on ein­zu­steu­ern. Es gibt weder Raum noch Zeit, gleich­zei­tig gebrauch­te Pro­duk­te aus­ein­an­der­zu­neh­men, zu rei­ni­gen, neu zusam­men­zu­set­zen und eben­falls wie­der in die Pro­duk­ti­on ein­zu­steu­ern. Das alte Zeug bleibt lie­gen, blo­ckiert die Zugän­ge, wird irgend­wo für spä­ter abge­legt, oft jedoch nie wie­der abge­holt. Die Spei­cher wer­den zuletzt immer grö­ßer, und man­ches wird, nur zur Hälf­te genutzt, ein­fach zur Hin­ter­tür wie­der rausgeschmissen.

Das ist natür­lich ein etwas dras­ti­sches Bild, es passt jedoch zu den Vor­gän­gen in unse­rem eige­nen Kör­per. Sehr wahr­schein­lich ist einer der Grün­de für Über­ge­wicht, Krank­hei­ten und All­er­gien die Tat­sa­che, dass wir unse­rem Kör­per zu wenig Zeit für die­ses Recy­cling gön­nen, also zu viel kon­su­mie­ren und zu wenig recyclen.

Gar nicht davon zu spre­chen, dass die Zusam­men­set­zung des­sen, was wir ein­steu­ern, heu­te eine ande­re ist, als noch vor weni­gen Jahr­zehn­ten, die Fabrik aber immer noch mehr oder weni­ger die­sel­be wie vor vie­len tau­send Jahren.

Über­set­zen wir das Gesag­te auf unse­ren eige­nen Kör­per. Wenn Sie zum Bei­spiel ein 70 Kilo­gramm schwe­rer Mensch sind ver­til­gen Sie im Jahr etwa eine Ton­ne Nah­rungs­mit­tel, eine gewal­ti­ge Men­ge. Sie müs­sen den­noch etwa 80% ihres Eiwei­ßes wie­der­ver­wer­ten, weil Sie andern­falls noch deut­lich mehr essen müss­ten. Die­se Wie­der­ver­wer­tung kön­nen Sie durch Fas­ten­pha­sen deut­lich verbessern.

Natür­lich kön­nen Sie die Fas­ten­pha­sen zeit­lich ver­dich­ten und ein­mal im Jahr eine oder zwei Wochen fas­ten, was vie­le Men­schen auch tun. Das ist aber bei Wei­tem weni­ger effi­zi­ent und gesund­heits­för­dernd, als wenn Sie kür­zer, dafür aber täg­lich, fas­ten: Man kann es sich vor­stel­len als den Unter­schied zwi­schen ein­mal im Jahr auf­räu­men und dau­er­haft Ord­nung halten.

Inter­mit­tie­ren­des Fas­ten, man­che nen­nen es auch Inter­vall­fas­ten, sorgt dafür, dass in unse­rer „Fabrik“ lang genug Ruhe herrscht, um auf­zu­räu­men, wie­der­zu­ver­wer­ten, die Rega­le zu sor­tie­ren, Inven­tur zu machen, um fest­stel­len zu kön­nen, was fehlt und ent­spre­chend bedarfs­ge­recht Neu­es ein­brin­gen zu können.

Dafür rei­chen 16 Stun­den am Tag, oder genau­er: in der Nacht. Die ein­fachs­te, effi­zi­en­tes­te und am leich­tes­ten in den All­tag zu inte­grie­ren­de Art zu fas­ten ist das Den­ken und Orga­ni­sie­ren in drei Fens­tern: acht Schlaf-Stunden, acht wache Stun­den mit Nah­rung und acht wache Stun­den ohne.

Noch ein­fa­cher? Ich schla­fe von, sagen wir, 22 bis 6 Uhr, ich esse wäh­rend des gegen­über­lie­gen­den Fens­ters zwi­schen 10 und 18 Uhr.

Dann kön­nen die meis­ten auch alles ver­ges­sen, was sie über Insulin-Diäten je gelernt haben, es spielt dann kei­ne Rol­le, ob ich inner­halb die­ser acht Stun­den mei­ne PHD-Mahlzeiten auf zwei, drei oder gar auf vier ver­tei­le. Vie­len wer­den aller­dings zwei Mahl­zei­ten pro Tag völ­lig aus­rei­chen, und sie wer­den gar kein Bedürf­nis nach Snacks, Zwi­schen­mahl­zei­ten etc. haben: Der „klei­ne Hun­ger zwi­schen­durch“ ver­schwin­det von allein.

Mehr zu den Hin­ter­grün­den die­ses lebens- und gesund­heits­ver­län­gern­den Kon­zep­tes fin­den Sie ab Sei­te 481 der Per­fect Health Diet.

Und wer wis­sen will, wie das „16-Stunden-nichts-essen“ prak­tisch geht, das vie­len ver­ständ­li­cher­wei­se erst ein­mal etwas Angst machen wird, dem sei hier ein (vie­len viel­leicht schon bekann­ter) Trick ver­ra­ten: durch einen hal­ben Tee­löf­fel MCT-Öl zusam­men mit einem Tee­löf­fel Weide-Butter in zwei mor­gend­li­chen Tas­sen Kaf­fee oder Tee (unbe­dingt mit Stab­mi­xer gut ver­quir­len) ohne wei­te­res Früh­stück wird aus dem Fas­ten ein Fett-(unterstütztes) Fas­ten, das die meis­ten schon nach kur­zer Ein­ge­wöh­nungs­zeit Hun­ger bis zum Mit­tag­essen ver­ges­sen lässt.


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