Kalzium

Kal­zi­um hat sich zu einem äußerst popu­lä­ren Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel ent­wi­ckelt, vor allem bei Frau­en, die dar­auf hof­fen, dass es der Osteo­po­ro­se vor­beugt. Emp­foh­len wer­den hohe Dosie­run­gen von bis zu 1.200 Mil­li­gramm pro Tag. (In Deutsch­land wird die Men­ge auch für Jugend­li­che, Schwan­ge­re und Stil­len­de emp­foh­len.)“ (PHD S. 410)

Auch wer das Buch bis­her nicht gele­sen hat, ahnt schon an der For­mu­lie­rung, dass die PHD das für kei­ne gute Idee hält. 700 bis 900 Mil­li­gramm täg­lich wer­den emp­foh­len, aber eben nicht aus Sup­ple­men­ten. Tat­sa­che ist, dass ein erheb­li­cher Teil die­ser Erde aus Kalk­stein und damit kein Man­gel an Kal­zi­um besteht. Kommt hin­zu, dass Kal­zi­um anders als Magne­si­um, Kali­um oder Natri­um aus­rei­chend in vie­len Lebens­mit­teln vor­kommt, allem vor­an – nein, nicht Milch – grü­nes Gemü­se. Aber auch wer Kno­chen­brü­he isst oder Mine­ral­was­ser trinkt, soll­te nicht in Gefahr sein, in eine Man­gel­si­tua­ti­on zu gera­ten. Sar­del­len mit den (win­zi­gen) Grä­ten tra­gen eben­so dazu bei, wie die bei uns lei­der in Ver­ges­sen­heit gera­te­nen Brenn­nes­seln, die einen deut­lich höhe­ren Anteil an Kal­zi­um haben, als die schon ange­spro­che­ne Milch.

Kommt noch hin­zu, dass die Absorp­ti­on von Kal­zi­um aus Milch bei nur gut 30% liegt, die Absorp­ti­on aus grü­nem Gemü­se, z.B. Broc­co­li oder Grün­kohl dage­gen etwa dop­pelt so hoch. Schon mit rund 300 Gramm Broc­co­li kann man unge­fähr ein Vier­tel bis ein Drit­tel des Tages­be­darfs decken. Man könn­te die­sel­be Men­ge auch aus 300 Gramm Man­deln bekom­men, aber dabei ste­hen wir wie­der vor dem Pro­blem, dass Nähr­stoff­dich­te und Ener­gie­dich­te nicht im bes­ten Ver­hält­nis zuein­an­der­ste­hen. Es soll­te jedoch deut­lich gewor­den sein, dass Kal­zi­um aus den unter­schied­lichs­ten Lebens­mit­teln gewon­nen wer­den kann – und grü­nes Gemü­se stellt beson­ders viel davon zur Ver­fü­gung.

Warum nicht (oder nur in geringen Mengen) supplementieren?

Wäh­rend ande­re Mikro­nähr­stof­fe aus Sup­ple­men­ten oft nicht schnell genug (oder nicht nach­hal­tig genug) ver­stoff­wech­selt wer­den, steht Kal­zi­um als Sup­ple­ment im Ver­dacht, die Ver­kal­kung von Weich­ge­we­be zu beför­dern. Außer­dem kann es gera­de im Zusam­men­hang mit der Sup­ple­men­tie­rung zur soge­nann­ten Kalzium-Alkali-Reaktion kom­men, im Deut­schen spricht man auch von der Milch-Alkali-Reaktion, zu einem Zustand, in dem der Kör­per deut­lich zu viel Kal­zi­um hat. Das erzeugt zunächst Durst und einen gestei­ger­ten Harn­drang, durch den allein aller­dings das über­flüs­si­ge Kal­zi­um nicht aus­ge­schie­den wird. Das kann zu Herz­rhyth­mus­stö­run­gen füh­ren, zu Ver­wir­rung, Schwä­che und depres­si­ven Epi­so­den.

Das lässt sich rela­tiv ein­fach ver­mei­den, indem man Sup­ple­men­te nur ver­wen­det, wenn man ziem­lich wahr­schein­lich nicht genü­gend Kal­zi­um aus der Nah­rung bekommt. Außer­dem soll­te man Kal­zi­um gleich­mä­ßig über den Tag ver­tei­len, am bes­ten zu den Mahl­zei­ten. Neh­men Sie Kal­zi­um außer­dem mög­lichst nicht als Car­bo­nat, Oxid oder Hydro­xid zu sich, sie begüns­ti­gen das oben beschrie­be­ne Risi­ko, eben­so wie die Ein­nah­me von Anta­zi­da, Schmerz­mit­teln oder Blut­druck­sen­kern.

Die Rolle von Phosphor – ein kurzer Ausflug

Kal­zi­um braucht Phos­phor, um sei­ne sta­bi­li­sie­ren­de Kraft in Zäh­nen und Kno­chen aus­spie­len zu kön­nen. Phos­phorman­gel ist rela­tiv unwahr­schein­lich, im Gegen­teil, gera­de Men­schen, die sich nicht nach PHD bzw. nach „nor­ma­len“ west­li­chen Stan­dards ernäh­ren, sind in Gefahr, deut­lich zu viel Phos­phor auf­zu­neh­men. Tref­fen sich Kal­zi­um und Phos­phor im Kör­per, ist es die Rol­le von Vit­amin D, sie Rich­tung Kno­chen und Zäh­nen zu trans­por­tie­ren. Zu viel Phos­phor, der Mensch braucht nur unge­fähr 700 mg/Tag, also unge­fähr genau­so viel wie Kal­zi­um, und Vit­amin D kann die­se Rol­le nicht erfül­len. Das Pro­blem lässt sich aber in der Regel ein­fach ver­mei­den, indem man auf die Nah­rungs­mit­tel ver­zich­tet, die die PHD auch sonst ver­mei­det: indus­tria­li­sier­te bzw. Fertig-Nahrung.

Kalzium und Magnesium

Kal­zi­um und Magne­si­um sind Ant­ago­nis­ten im bes­ten Sin­ne des Wor­tes, es ist die Auf­ga­be von Kal­zi­um, Mus­keln zu kon­tra­hie­ren, Magne­si­um ent­spannt sie wie­der. Auch hier liegt ein Risi­ko der Kal­zi­um­sup­ple­men­tie­rung, sie kann zu einem Magne­si­um­man­gel aus­lö­sen oder ver­schär­fen.

Zu Kal­zi­um fin­den Sie wei­te­re inter­es­san­te Details ab Sei­te 410 PHD, die Jami­nets gehen dabei auch auf die Rol­le von Kol­la­gen ein – und auf die Fra­ge nach der Kno­chen­brü­he.


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