PHD statt guter Vorsätze

Die fünf­te Jah­res­zeit steht an. Gemeint ist weder die baye­ri­sche Starkbier- noch die rhei­ni­sche Kar­ne­vals­zeit. Die hier ange­spro­che­ne fünf­te Jah­res­zeit kommt meist in zwei Wel­len. Da ist zunächst die Jahresanfangs-Weihachtsreue, auch „gute Vor­sät­ze“ genannt, sie ist in der Regel schnell durch­lau­fen, hat dann aber, unge­fähr Mit­te Febru­ar, einen zwei­ten Gip­fel, die Fas­ten­zeit: Sie dau­ert unge­fähr acht Tage, manch­mal auch nur drei. Wir kön­nen uns sicher sein, dass wir dabei in bes­ter Gesell­schaft unse­rer Freun­de und Nach­barn sind, die auch alle mit­ma­chen und dabei genau­so weit kommen.

Spaß bei­sei­te: Nicht ein­mal drei Pro­zent derer, die es ver­su­chen, schaf­fen es abzu­neh­men ohne hin­ter­her (oft mehr) wie­der zuzu­neh­men. Gleich­zei­tig hin­ter­las­sen sol­che selbst auf­er­leg­ten Erfah­run­gen des Schei­terns min­des­tens ein scha­les Gefühl von Ver­sa­gen, von Schwä­che und oft sogar Scham. 

Warum der Schweinehund immer siegt

War­um wir immer wie­der schei­tern, ist gut erforscht: Unse­re Willens- und Ent­schei­dungs­kraft ist begrenzt, wir haben täg­lich nur einen bestimm­ten Vor­rat. Schon wenn wir mor­gens anfan­gen, E‑Mails zu lesen und dabei ent­schei­den müs­sen, was davon wich­tig ist, was bear­bei­tet, beant­wor­tet wer­den muss, greift das auf unse­re Res­sour­cen zu, und die sind spä­tes­tens am Nach­mit­tag erschöpft (das ist auch der Grund, war­um die meis­ten nicht etwa mor­gens den Kühl­schrank oder die Scho­ko­la­den­ecke räu­bern, son­dern abends). Je wei­ter weg das Ziel liegt, je unan­ge­neh­mer sei­ne Errei­chung scheint, je schmerz­haf­ter der Ein­griff in unse­ren All­tag ist – aber auch je unbe­stimm­ter ein Ziel ist, umso gerin­ger sind unse­re Erfolgs­aus­sich­ten. Und die meis­ten guten Vor­sät­ze sind mit Ver­zicht, ja, Ent­zug, mit Arbeit und am Ende mit Auf­ge­ben ver­bun­den, allein die Vor­stel­lung macht uns schwach…

Der beste Vorsatz: keine guten Vorsätze

Wie wäre es, für das kom­men­de Jahr ganz auf „gute“ (20 Kilo­gramm abneh­men) oder, noch schlim­mer unbe­stimm­te („Biki­ni­fi­gur“) Vor­sät­ze zu ver­zich­ten und dafür ein­fach ein paar Grund­sät­ze der PHD ein­zu­hal­ten? Im Buch „Per­fect Health Diet“ fin­det man, obwohl es grund­le­gen­de Lebens­stil­ver­än­de­run­gen emp­fiehlt, kei­ne Anlei­tun­gen, wie man den inne­ren Schwei­ne­hund in die Knie zwingt. Fehlt da also was? Nein! 

Die PHD ent­hält zwar Emp­feh­lun­gen, die unse­re aktu­el­len Gewohn­hei­ten in Fra­ge stel­len, die­se Emp­feh­lun­gen haben jedoch alle eines gemein­sam: sie kom­men unse­ren natür­li­chen Bedürf­nis­sen stark ent­ge­gen. Das heißt nicht, dass es immer ein­fach wäre sie umzusetzen. 

Es ist für den Anfän­ger ein wenig schwie­ri­ger, ein Essen selbst zu kochen, als eine Fer­tig­piz­za in den Ofen zu schie­ben. Aber wer das ers­te Mal ein Essen erfolg­reich selbst zube­rei­tet hat, viel­leicht sogar für Gäs­te gekocht und Aner­ken­nung ein­ge­heimst hat, ist schon einen gro­ßen Schritt wei­ter auf dem Weg zu einer neu­en, gesün­de­ren Gewohn­heit. Wenn Sie nicht wis­sen, wo anfan­gen, schau­en Sie doch mal nach den drei wich­tigs­ten Regeln oder stei­gen Sie über inter­mit­tie­ren­des Fas­ten ein. 

Neh­men Sie sich viel­leicht nicht gleich drei Din­ge vor, son­dern nur eines, also zum Bei­spiel inter­mit­tie­ren­des Fas­ten, und schrei­ben Sie es in Ihren Kalen­der. Schrump­fen Sie den Wan­del! Also: beim ers­ten Mal wird das Früh­stück ein­fach eine Stun­de nach hin­ten ver­legt, beim zwei­ten Mal, drei Tage spä­ter, machen Sie zwei dar­aus, oder nur andert­halb. Erst wenn Sie Ihren opti­ma­len Zeit­punkt und die für Sie opti­ma­le Häu­fig­keit gefun­den haben, neh­men Sie sich das nächs­te Ziel vor. Den­ken Sie dar­an: Sie haben das gan­ze Jahr Zeit.

Und ja, es ist manch­mal schwie­rig, wenn man, viel­leicht nach einem Streit mit einem Kol­le­gen frus­triert, oder ein­fach erschöpft von einem anstren­gen­den Tag abends nach­hau­se kommt, von der Milch­scho­ko­la­de nur ein klei­nes Stück zu essen anstatt den gan­zen Vor­rat, der von Weih­nach­ten übrig ist. Was aber, wenn man danach den Vor­rat nicht mehr auf­füll­te, son­dern die, zuge­ge­ben teu­re­re, 95%ige aus dem Bio­la­den (Natu­ra­ta oder Via­ni wür­de ich emp­feh­len) besorg­te und bei nächs­ter Gele­gen­heit ein Stück die­ser dunk­len Scho­ko­la­de mit einem Glas Rot­wein gaaa­anz lang­sam über die Zun­ge gehen lie­ße? Oder wenn man, statt sich in den Ses­sel zu wer­fen und sich über das Fern­seh­pro­gramm zu ärgern, auf­stün­de und mit dem Part­ner ein paar hun­dert Meter spa­zie­ren gin­ge? Dafür dürf­te man getrost den Vor­satz fal­len las­sen, gleich ab mor­gen, spä­tes­tens am Sams­tag eine Stun­de zu joggen.

Apro­pos „eine Stun­de jog­gen“: Dem Vor­satz geht schon dann die Luft aus, wenn ich an einem bestimm­ten Tag nur noch Zeit­fens­ter von 55 Minu­ten oder weni­ger habe. Fünf Minu­ten Übun­gen mit dem eige­nen Kör­per­ge­wicht (das reicht, gera­de für den Anfang völ­lig aus) kann ich zwi­schen den Über­ra­schungs­an­ruf mei­ner Eltern (der mir die Stun­de fürs Jog­gen genom­men hat) und den Trans­port des Juni­ors zur Kla­vier­stun­de schieben. 

Kleine Schritte ins neue Jahr

Man kann die PHD in klei­nen Schrit­ten für sich adap­tie­ren. Nach gele­gent­li­chen Aus­rut­schern kann man ein­fach zu ihr zurück­keh­ren. Schimp­fen Sie nicht mit sich – machen Sie am nächs­ten Tag wei­ter. Aus­rut­scher gehö­ren zum Leben dazu – neue Gewohn­hei­ten und Erfol­ge wer­den sich trotz­dem einstellen.

Und was das wich­tigs­te The­ma anbe­langt, die Ernäh­rung (Vor­sicht, Eigen­wer­bung): Dank der Web­sei­te, auf der Sie sich gera­de befin­den, wird die Schwel­le unse­rer fes­ten Über­zeu­gung nach so nied­rig gelegt, dass sie jeder über­schrei­ten kann, ohne sich noch­mal umschau­en zu müs­sen. Wenn Sie erst ein­mal drin sind in die­ser Form des Lebens, wer­den Sie sich gegen Ende des Jah­res viel­leicht ver­wun­dert fra­gen, wie es je anders ging – und wofür all die guten Vor­sät­ze waren, die sich in Luft auf­ge­löst – und den­noch rea­li­siert haben.


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