Stress lass nach und kehr wieder um

Und? Auch so einen stres­si­gen Tag gehabt? Das könn­te gleich noch schlim­mer wer­den:

Trotz rück­läu­fi­ger Kran­ken­stän­de in den letz­ten Jah­ren wächst der rela­ti­ve Anteil psy­chi­scher Erkran­kun­gen am Arbeits­un­fä­hig­keits­ge­sche­hen. Er klet­ter­te in den ver­gan­ge­nen 40 Jah­ren von zwei Pro­zent auf 16,6 Pro­zent (BKK Gesund­heits­re­port 2018). Die durch psy­chi­sche Krank­hei­ten aus­ge­lös­ten Krank­heits­ta­ge haben sich in die­sem Zeit­raum ver­fünf­facht. Wäh­rend psy­chi­sche Erkran­kun­gen vor 20 Jah­ren noch nahe­zu bedeu­tungs­los waren, sind sie heu­te zweit­häu­figs­te Dia­gno­se­grup­pe bei Krank­schrei­bun­gen bzw. Arbeits­un­fä­hig­keit (BKK Gesund­heits­re­port 2018).”

107 Mil­lio­nen Aus­fall­ta­ge wegen psy­chi­scher Erkran­kun­gen allein im Jahr 2017 – ent­spre­chend groß war die Auf­re­gung in den Medi­en. Und natür­lich waren die Ver­ant­wort­li­chen schnell iden­ti­fi­ziert: Die Arbeits­welt ist schuld, das Smart­pho­ne, die damit ver­bun­de­ne stän­di­ge Erreich­bar­keit und die Ent­gren­zung von Arbeit und Frei­zeit, in einem Wort: unse­re Arbeits­um­stän­de füh­ren zu Stress. Das Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um war schnell dabei, die Arbeit­ge­ber ent­spre­chend in die Pflicht zu neh­men, mehr für die Gesund­heit ihrer Mit­ar­bei­ter zu tun. Und dann gab es Stim­men, wie die des ärzt­li­chen Direk­tors einer Fach­kli­nik. Er woll­te die Fra­ge, ob die Zahl der psy­chi­schen Erkran­kun­gen tat­säch­lich zuge­nom­men hat, oder viel­leicht ein­fach nur die Häu­fig­keit (und die sozia­le Akzep­tanz) der Dia­gno­se, eher offen­las­sen. Dafür äußer­te er sich besorgt über das viel zu gerin­ge Ange­bot adäqua­ter Behand­lungs­mög­lich­kei­ten durch qua­li­fi­zier­te The­ra­peu­ten.

Was hat das mit der PHD zu tun? Eine Men­ge!

Stress macht krank

Stress, das liest man auch in der PHD (S. 521ff.), kann krank machen. Er kann unse­ren Cor­tisol­spie­gel durch­ein­an­der­brin­gen, unse­re zir­ka­dia­nen Rhyth­men, das Immun­sys­tem und unter Umstän­den in eine Depres­si­on mün­den. Schon haben wir die oben auf­ge­führ­ten Pro­ble­me in einen Satz gepackt. ABER. Es gibt eine gan­ze Rei­he von Maß­nah­men, die Sie eben­falls in der PHD fin­den, um dem Stress zu begeg­nen. Die wich­tigs­te ist – die Stres­so­ren zu redu­zie­ren.

Dazu gehört zunächst, nach PHD zu essen: nicht nur das Rich­ti­ge, son­dern eben auch zur rich­ti­gen Zeit (nicht nachts), bewusst zu essen (nicht am Steu­er oder Schreib­tisch, jeden Bis­sen lang­sam kau­en), kur­ze Fasten‐Phasen ein­zu­le­gen.

Dazu gehört außer­dem Bewe­gung, natür­lich. Auch dazu lässt sich eini­ges in der PHD fin­den (S. 514ff.) Damit nicht genug, denn die Jami­nets sind über­zeugt:

Stress ist gesund

Wie­so das denn plötz­lich?

Erin­nern wir uns dar­an, wor­auf die PHD auf­baut, näm­lich auf einer Lebens­wei­se, auf die wir uns über vie­le Jahr­mil­lio­nen ange­passt hat­ten, bevor wir vor etwa 10.000 Jah­ren mit dem Acker­bau sess­haft wur­den, vor 150 Jah­ren mit dem elek­tri­schen Licht den 24‐Stunden‐Tag ein­ge­führt und wäh­rend der ver­gan­ge­nen 50 Jah­re unser Nah­rung stär­ker indus­tri­ell ver­än­dert haben als je zuvor.

Stress war in der Evo­lu­ti­on immer lebens­wich­tig, über­le­bens­wich­tig. Wer beim lei­ses­ten Geräusch in der Nacht Stress emp­fand, war gut vor­be­rei­tet auf Gefah­ren. Er war im Zwei­fel schnel­ler weg oder schnel­ler bereit zum Gegen­an­griff, als der ent­spann­te Nach­bar, der am Feu­er lie­gen blieb. Es war gesund­heits­för­dernd, in einer unkla­ren Situa­ti­on erst ein­mal das Schlimms­te anzu­neh­men, wer schnell gestresst war, hat­te bes­se­re Chan­cen zu über­le­ben (und sich fort­zu­pflan­zen). Ent­stan­den ist dar­aus etwas, was die Wis­sen­schaft heu­te den „nega­ti­vi­ty bias“ nennt.

Gesund war die­ser prä­his­to­ri­sche Stress schon des­halb, weil die weit­aus meis­ten Stress‐Situationen unse­rer Vor­fah­ren sich inner­halb von Minu­ten oder spä­tes­tens Stun­den erle­digt hat­ten. Das Adre­na­lin hat­te sich meist schon in der kör­per­li­chen Anstren­gung ver­braucht, die auf einen Stress­mo­ment folg­te. War man dem sprich­wört­li­chen Säbel­zahn­ti­ger ent­kom­men oder hat­te man ihn gar erlegt, muss­te man sich des­halb (erst ein­mal) kei­ne Sor­gen mehr machen. War man ihm nicht ent­kom­men, auch nicht…

So funk­tio­niert das in unse­rer Moder­ne lei­der nicht mehr: Ist man dem Chef heu­te ent­kom­men, muss man damit rech­nen, mor­gen einer noch ungnä­di­ge­ren Ver­si­on des­sel­ben Chefs gegen­über zu ste­hen. Sieht man sich Aug in Aug mit einer Dead­line für die Abga­be einer Stu­di­en­ar­beit, rückt sie erbar­mungs­los näher, Flucht bringt nichts.

Natür­lich sind vie­le moder­ne Gefah­ren nicht unmit­tel­bar töd­lich – aber dar­in liegt auch das Pro­blem.

Von der Negativ‐ zur Positiverwartung

Die weit­aus meis­ten Men­schen ste­hen heu­te unter einem sol­chen andau­ern­den Stress, und der bezeich­net nicht so sehr, was von außen auf uns ein­wirkt, als viel­mehr unse­re Reak­ti­on dar­auf. Der Mensch denkt etwa 70.000 Gedan­ken am Tag, nur etwa 5% sind neu, der Rest sind End­los­schlei­fen, nicht sel­ten nega­ti­ve End­los­schlei­fen. Kein Wun­der, dass wir Stress nega­tiv bewer­ten.

Von eini­gen Stres­so­ren kann man sich befrei­en, von ande­ren nicht.

Was man jedoch immer ver­än­dern kann, ist die eige­ne Resi­li­enz, die Wider­stands­fä­hig­keit – und zwar vor allem mit einer ver­än­der­ten Wahr­neh­mung von Stress. Auf den Sei­ten 523 bis 525 sind die wirk­sams­ten Stress‐Beseitiger auf­ge­führt. Sie haben alle eines gemein­sam: unse­re Ein­stel­lung zum Stress und wie man den „nega­ti­vi­ty“ in einen zeit­ge­mä­ßen „posi­ti­vi­ty bias“ ver­än­dert. Denn posi­ti­ve Erwar­tung führt eher zu posi­ti­ven Effek­ten.

Was das für die oben zitier­ten Nach­rich­ten heißt? Nega­ti­ve Erwar­tung (krank­ma­chen­der Stress, zu weni­ge The­ra­peu­ten) führt – nein, eben nicht unbe­dingt zu die­sem Ergeb­nis, wohl aber – zu einer nega­ti­ven Emp­fin­dung. Wie man den damit ver­bun­de­nen Stress beherrscht? Zwei Ansät­ze: Mehr PHD und weni­ger Nach­rich­ten.


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