Vitamin D3

Vit­amin D 3 ist inzwi­schen im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes „in aller Mun­de“ und der Lieb­ling der Wis­sen­schaft. Man könn­te nach­ge­ra­de von einem Hype spre­chen. Gibt man nur den Such­be­griff „D3“ bei Pub­Med ein, erhält man Ende 2019 annä­hernd 35.000 Such­ergeb­nis­se. Vit­amin D3 gehört damit zu den best­un­ter­such­ten Mikro­nähr­stof­fen über­haupt, was nicht etwa bedeu­tet, dass man inzwi­schen alles wüss­te, was es zu wis­sen gibt, son­dern im Gegen­teil, dass man stän­dig Neu­es, und oft genug Wider­sprüch­li­ches, lernt.

Die PHD befasst sich aus­führ­lich mit Vit­amin D3 und dem Drei­klang der fett­lös­li­chen Vit­ami­ne, die wich­tig für die Kno­chen­ge­sund­heit sind („Die Vit­ami­ne A, D und K2“, S. 367ff.). Eigent­lich ist der Begriff „Vit­amin“ für D3 falsch, es han­delt sich um ein Prähor­mon, dass mit­hil­fe von Cho­le­ste­rin hor­mo­nell wirk­sam wird. D3 hat Rezep­to­ren in jeder mensch­li­chen Zel­le.

Vitamin-D-Mangel

Weit­ge­hend unbe­strit­ten ist inzwi­schen, dass die Mehr­heit der Bewoh­ner der nörd­li­chen Brei­ten­gra­de einen zu nied­ri­gen Vit­amin D 3 Spie­gel hat. Rela­tiv wenig Einig­keit gibt es jedoch dar­über, wo ein opti­ma­ler Vit­amin D 3 Spie­gel lie­gen soll­te. Die PHD kommt bei der Aus­wer­tung der Stu­di­en auf etwa 40 Nanogramm/Milliliter (vie­le Labors mes­sen inzwi­schen in Nanomol/Liter, um den Wert ver­glei­chen zu kön­nen, muss man mit 2,5 mul­ti­pli­zie­ren, 40 Nanogramm/Milliliter ent­spre­chen also 100 Nano­mol). Wenn Sie die Soll­wer­te der Labors ver­glei­chen, wer­den Sie fest­stel­len, dass der opti­ma­le Bereich sehr unter­schied­lich ange­setzt wird. Den­noch ist es nach wie vor so, dass der von der PHD ver­tre­te­ne Wert belast­bar ist. Inzwi­schen meh­ren sich auch die Zei­chen, dass zum einen opti­ma­le Vit­amin D 3 Spie­gel durch­aus indi­vi­du­ell vari­ie­ren kön­nen abhän­gig von der indi­vi­du­el­len Ver­stoff­wechs­lung, der Haut­far­be etc., zum ande­ren, dass es auch für Vit­amin D ein „Zuviel“ gibt.

Es meh­ren sich in neue­ren Stu­di­en die Anzei­chen, dass zu viel Vit­amin D 3 unter ande­rem auto­im­mu­ne Pro­zes­se begüns­tigt. Inso­fern soll­te man sehr zurück­hal­tend auf die nicht nur im Inter­net, son­dern auch in vie­len Büchern ver­brei­te­ten Emp­feh­lun­gen reagie­ren, den Vit­amin D Spie­gel in immer neue Höhen zu trei­ben.

D3 und das Parathormon

Wenig bekannt ist, dass es eine zusätz­li­che Mög­lich­keit gibt, ver­läss­li­cher zu über­prü­fen, ob der eige­ne Vit­amin D Spie­gel aus­reicht, oder nicht. Ein Vit­amin D Man­gel führt aus gutem Grund nicht sofort zu nega­ti­ven gesund­heit­li­chen Fol­gen, für fast alles hat unser Kör­per, min­des­tens vor­über­ge­hend, eine zwei­te Lösung. Im Fal­le eines Vitamin-D-Mangels über­nimmt das von der Neben-Schilddrüse gebil­de­te Para­thor­mon einen Teil der Auf­ga­ben von Vit­amin D, vor allem die Auf­ga­be, den Kal­zi­um­spie­gel im Blut zu regu­lie­ren. Ein aus­rei­chend hoher Vit­amin D Spie­gel soll­te also das Para­thor­mon an den unte­ren Rand der Refe­renz­wer­te drü­cken. Umge­kehrt muss man auf­pas­sen, dass ein sol­cher Wert, gera­de wenn der Vit­amin D Spie­gel gleich­zei­tig opti­mal hoch sein soll­te, eben nicht als Hypo­pa­ra­thy­reo­idis­mus inter­pre­tiert wird.

Das ist im Übri­gen ein typi­sches Bei­spiel für die in „sup­ple­men­ta­tiv Essen“ ange­spro­che­ne Pro­ble­ma­tik der Mikro­nähr­stof­fe. Ja, man kann sie weit­ge­hend im Blut mes­sen (aber auch nicht alle: die Ver­sor­gung mit Vit­amin K2, das viel­leicht wich­tigs­te Begleit­vit­amin von D3, muss immer noch über Umwe­ge „erschlos­sen“ wer­den, vgl. S. 378f. PHD). Man muss aber immer wie­der dar­auf hin­wei­sen, dass der Wert im Blut in aller Regel kei­ne ver­läss­li­che Aus­sa­ge über die Zell­ver­sor­gung erlaubt – und dass wir schlicht zu wenig über die Wech­sel­wir­kun­gen wis­sen.

Wir ken­nen die unge­fähr 60 Man­gel­er­kran­kun­gen, die durch das Feh­len eines Nähr­stoffs aus­ge­löst wer­den (am bekann­tes­ten viel­leicht Skor­but bei Vitamin-C-Mangel). Wir ken­nen nur zu einem klei­nen Teil die rech­ne­risch annä­hernd 1.800 Nähr­stoff­man­gel­er­kran­kun­gen, die durch das gleich­zei­ti­ge Feh­len oder das Miss­ver­hält­nis zwei­er Nähr­stof­fe aus­ge­löst wer­den. Für das, was pas­siert, wenn drei oder mehr Nähr­stof­fe, die zusam­men­wir­ken gleich­zei­tig feh­len oder im Miss­ver­hält­nis ste­hen, sind wir bis­her weit­ge­hend blind. Um eine Folie von Paul Jami­net aus sei­nem Vor­trag auf der Medi­zi­ni­schen Woche im Jahr 2017 zu zitieren:„Das medi­zi­ni­sche Modell ist belang­los, wenn es um die Nährstoffmangel-Konditionen geht.“

Trotzdem ins Labor

Das soll nicht hei­ßen, dass es nicht sinn­voll wäre, poten­zi­el­le Män­gel per Labor zu iden­ti­fi­zie­ren. Gene­rell ist es emp­feh­lens­wert, Vit­amin D 3 nicht auf Ver­dacht zu sup­ple­men­tie­ren, son­dern den aktu­el­len Wert im Labor mes­sen zu las­sen, dann bei Man­gel auf­zu­sät­ti­gen, d. h. mit rela­tiv hohen Gaben (mehr als 10.000 inter­na­tio­na­le Ein­hei­ten am Tag wird der Kör­per jedoch ver­mut­lich nicht ver­stoff­wech­seln) auf das rich­ti­ge Niveau zu brin­gen (Kon­troll­un­ter­su­chung), und dann abhän­gig von Jah­res­zeit und indi­vi­du­el­len Gege­ben­hei­ten, mit einer Erhal­tungs­do­sis zuar­bei­ten. Über den ganz brei­ten Dau­men: Ein 70 kg schwe­rer Mensch braucht durch­schnitt­lich unge­fähr 10.000 inter­na­tio­na­le Ein­hei­ten, um den Vit­amin D Spie­gel um 1 Nano­gramm bzw. 2,5 Nano­mol anzu­he­ben.

Supplementieren

Natür­lich wäre es opti­mal, könn­ten wir unser Vit­amin D aus­schließ­lich aus Son­nen­licht bekom­men. Aber abge­se­hen davon, dass in Deutsch­land rund um den 50. Brei­ten­grad wäh­rend des Win­ter­halb­jah­res die Son­ne dafür nicht hoch genug steht (noch eine Faust­re­gel: wenn Ihr Schat­ten län­ger ist als Sie selbst, wird durch Son­nen­licht kein Vit­amin D gebil­det), haben die Angst vor Son­nen­brand und Haut­krebs und unse­re „nor­ma­len“ Arbeits­zei­ten dazu geführt, dass die Meis­ten Vit­amin D auch bei schö­nem Wet­ter im Som­mer eben nicht auf die­se Wei­se, die ja oben­drein völ­lig kos­ten­los wäre, in aus­rei­chen­der Men­ge bekom­men.

Es bleibt also wenig übrig, als zu sup­ple­men­tie­ren, im Som­mer und Win­ter ggf. unter­schied­lich, Emp­feh­lun­gen zu den Men­gen von Erhal­tungs­do­sen fin­den Sie auf Sei­te 377 PHD.


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